Presse Echo

Apotheker plagt die Angst um ihre Zukunft

Kritik am Urteil des EuGH zur Preisbindung

Apotheker plagt die Angst um ihre Zukunft

Artikel der Waldeckische Landeszeitung vom 01.11.2016 als pdf

Vielen Apotheken im Kreis droht Schließung

Inhaber im Schnitt 56 Jahre alt – Nachfolger schwer zu finden

Vielen Apotheken im Kreis droht Schließung

Artikel der Waldeckische Landeszeitung als pdf

Apotheker: Beruf wird immer unattraktiver

Apotheker beklagen wachende bürokratische Hürden bei ihrer Arbeit

Apotheker: Beruf wird immer unattraktiver

Artikel von Wilhelm Figge

Bürokratie überdenken

Wilhelm Figge über Apothekersorgen

Bürokratie überdenken

Artikel von Wilhelm Figge als pdf

Hintergrund: Zahl hessischer Apotheken sinkt

Die Apothekedichte liegt in Waldeck-Frankenberg mit 3932 Einwohnern pro Apotheke leicht über dem Niveau aller hessischen Landkreise.

Hintergrund: Zahl hessischer Apotheken sinkt

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Apotheke(r) schreibt Geschichte

Pillen, Post und Spezialitäten: Adorfs Apotheke ist 160 Jahre alt - Seidel plant Ruhestand.

Apotheke(r) schreibt Geschichte

Artikel aus der WLZ-Ausgabe als pdf

Apotheker liefert Spezialitäten bis nach Übersee

Von Senf über Curry bis Magenbitter: Dr. Ulrich Seidel aus Adorf beweist guten Geschmack. Auszeichnung durch Feinschmecker

Apotheker liefert Spezialitäten bis nach Übersee

Artikel aus der WLZ-Jubiläumsausgabe als pdf

Pillen richtig einnehmen

In Apotheken gibt es Tipps für den Umgang mit Medikamenten

Pillen richtig einnehmen

Artikel aus "Gesundheit Waldeck-Frankenberg" vom 9. März 2011...

150 Jahre Apotheke Adorf

Apotheke im Wandel der Zeit

Es hat lange gedauert, bis Adorf eine Apotheke bekam. Bereits am 19.Juni 1835 richteten einige Adorfer Bürger ein Gesuch zur Einrichtung einer Apotheke bei der Fürstlich Waldeckischen Regierung ein. Weitere Petitionen vom 20. November 1839 und 9. Juni 1840, die Bitten um Erteilung einer Konzession des Apothekers Fischhaupt vom 3. April 1844, vom 5. Februar und 30. März 1848, sowie vom 7. Februar 1852 wurden abschlägig beschieden. Erst als sich am 28. Februar 1852 die Gemeinden Adorf, Rhenegge, Heringhausen, Stormbruch, Ottlar, Rattlar, Giebringhausen, Schweinsbühl, Sudeck, Benkhausen, Flechtdorf und Wirmighausen gemeinsam an die Regierung wandten, wurde die Erlaubnis zur Errichtung einer Filialapotheke in Adorf erteilt. In der "Beilage zum Fürstlich Waldeckischen Regierungsblatt" wurde das Ereignis wie folgt angekündigt: "Die Umgebung von Adorf wird unterrichtet, daß die von den Herren Kümmell und Kunkell in Adorf errichtete Apotheke mit dem 1. October 1852 eröffnet wird."

Am 30. August 1856 wird dem Apotheker Leonhardi gestattet die Apotheke als selbständige Offizin zu führen und alleinverantwortlich 13 Gemeinden bis hinauf ins Upland zu versorgen, ein Gebiet, das fast identisch ist mit der heutigen Gemeinde Diemelsee. 4 Jahre später, am 29. Juni 1860 erwirbt Eduard König aus Friedewald die Konzession und führt die Apotheke 16 Jahre lang, zusätzlich ab 1. Juni 1863 die "Kaiserliche Postagentur" in Adorf. Diese Personalunion Apotheker-Postagent ist neben anderen Zuerwerbsmöglichkeiten zB. Branntweinverkauf, im 19. Jahrhundert nicht selten -auch der Mengeringhäuser Apotheker David Schütte übte beide Tätigkeiten aus- und wird aus der Schilderung der bescheidenen Lebensumstände damaliger Landbewohner durchaus verständlich. So liest man in den handschriftlichen "Jugend- und Lebenserinnerungen" des in Adorf geborenen, späterhin "Ober- und Geheimen Postrates" in Hannoverschen Diensten Albert Schluckebier: "Bei dem erfreulichen Gesundheitszustande der Dorfbewohner konnten Arzt und Apotheker natürlich keine Seide spinnen, obwohl sie neben Adorf auch die meisten Uplandsdörfer versorgten. Der Arzt Dr. Engelhardt hatte deshalb Muse genug sich der edlen Musica zu widmen, eine Liedertafel zu gründen.- Der Apotheker König dagegen konnte außer seinen Berufsgeschäften noch ein staatliches Nebenamt, das eines Postagenten versehen." und er fährt fort: "Unter dem bekannten Misstrauen der Landbevölkerung gegen staatlich beglaubigte Heilkünstler hatten Arzt und Apotheker auch bei uns zu leiden. Viele Leute gingen in Krankheitsfällen, wenn die eigenen Hausmittel nicht halfen, lieber zu einer weisen Frau und ließen sich von ihr Mittel angeben oder das Leiden ‚besprechen‘ und das Fieber ‚messen‘. Daß dies in geheimnisvoller Weise zur Heilung führen werde, glaubte man todsicher. Auch der Schäfer Emde kurierte viel, besonders als Wundarzt und mit solchem Erfolge, daß ihn Dr. Engelhardt als sachverständigen Kollegen achtete." Schluckebier berichtet auch über die Postagentur und die Briefträger, die einen riesigen Landbezirk zu versorgen hatten. Als Apotheker König eines Tages ein dringendes Telegramm aufzugeben hatte, legte Briefträger Meier zu Fuß über 40 km zurück, um es beim nächsten Telegraphenamt in Warburg aufgeben zu können. Es heißt, daß er dies freiwillig tat, um seinem Vorgesetzten eine Freude zu bereiten.

Am Am 26.November 1876 wurde die Konzession auf den Apotheker Panajotis Oestreich übertragen. Mit Oestreich kam ein Mann nach Adorf, dessen Lebensdaten aus dem Gewohnten herausfallen: Er wurde 1842 in Athen geboren, wo sein mit einer Griechin verheirateter Vater in Diensten des griechischen Königshauses stand. Infolge der politischen Unruhen in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts mußte die Familie fliehen. Ãœber dieses Abenteuer berichtet der ältere Bruder Nicolaus Sophocles in seinem handschriflichen Lebenslauf: "Wir siedelten nun nach Churhessen, dem Geburtslande meines Vaters über. Nach beschwerlicher Seereise landeten wir in Triest, von wo aus die noch längere und schwierigere Landreise beginnen sollte. Unter Schneestürmen und großer Kälte passirten wir auf schwerzubefahrenden Wegen die Kämme der Karnischen Alpen, Hohe Tauern und Salzburger Alpen, und gelangten über Innsbruck, München, Würzburg, und Fulda nach Cassel."
Oestreich, der in Marburg Pharmazie studiert hatte, führt in der Apotheke die Postagentur solange bis 1887 ein offizielles Postamt eingerichtet wird.

Eine Revision der Apotheke 1882 verläuft so zufriedenstellend, daß ihrem Besitzer eine "lobende Anerkennung" ausgesprochen wird. 1883 ist er Initiator und Mitbegründer der Adorfer Feuerwehr. 40 Jahre bis zu seinem Tod übt er seinen Beruf aus. Am 3. August 1916 übernimmt sein Sohn Arthur Oestreich, der Pharmazie in Jena studiert hatte, die Apotheke. Er besaß als einer der ersten in Adorf ein Automobil und seine Tochter war die erste junge Dame im Fürstentum Waldeck, die einen Führerschein erhielt.
Ab 1938 verwaltet Oestreichs Schwiegersohn Heinz Barth, geboren 1905 in Arolsen, Studium in Marburg, die Apotheke in Adorf und übernimmt sie 1940. Am 1. Oktober 1969 verpachtet Heinz Barth die Apotheke an Dr. Karl Ludwig Fichtner, geboren 1936 in Füssen, Studium in Freiburg. Nach acht Jahren in Adorf erwirbt er die Apotheke in Vöhl .

Am 1. Oktober 1977, 125 Jahre nach der Gründung, übernimmt Dr. Ulrich Seidel, geboren 1944 in Falkenstein/Vogtland, Studium in Würzburg und Marburg, die Apotheke, erwirbt 1984 das Fachwerkhaus, renoviert und restauriert 1988-1989 Gebäude und Apotheke. Dabei kommt folgende Balkeninschrift ans Licht: "...JOHAN SCHRÖDER VND ANNA MARIA(....)HABEN MIT GOTT DIS HAV(S)...1661...".
Von alten Apothekengeräten und -utensilien sind erhalten: Eisen- und Bronzemörser mit Pistillen, Reibschalen mit Pistillen (Holz und Keramik), Infusorium, Wasserbad (Kupfer), gedrechselte Holzbüchsen für pflanzliche und mineralische Stoffe, Mensuren (Messbecher aus Zinn 19. Jh.) mit Eichstempeln, Tinkturenpresse, Handwaagen, Mikroskop (Leitz 1910), Arzneiflaschen (ca.1920), Standgefäße (Glas und Porzellan), Klistierspritze (Zinn), Pillenmörser, Pillenmaschinen bestehend aus Ausrollbrett, Walzbrett, Pillenabteiler und Rollierer, Kruken (Keramik), Post-Einlieferungsbuch von 1886, Manuale (1880), Giftbuch (1880), Rezeptur- und Defekturbücher, Prüfbücher, Arznei- und Kräuterbücher.

An die Stelle von Mörser und Pistill sind heute in Rezeptur, Defektur und Labor moderne High-Tech-Geräte getreten. Herstellung, Prüfung, Lagerung und Abgabe von Arzeimitteln werden mittels EDV dokumentiert.
Die umfangreiche Betreuung von Patienten und Kunden wird gestützt vom EDV-System Winapo ® mit internen und externen Datenbanken und einer ca. 1700 Bände umfassenden pharmazeutischen Bibliothek. Die Apotheke Adorf führte 2001 ein Qualitätssicherungssystem (QMS) ein und wurde 2002 nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert.

Wir begehen das Jubiläum mit Dankbarkeit und Freude:
Julia Ammenhäuser, Ursula Bangert, Renate Becker, Gisela Pohlmann, Ilona Judith, Daniela Krummel, Swetlana Berger, Simone Cordes, Ingeborg Zauner, Sabrina Zölzer, Perdita und Dr. Ulrich Seidel.

Literatur
STEINKAMP, Ursula: Zur Geschichte des Apothekenwesens in der Grafschaft und dem späteren Fürstentum Waldeck und Pyrmont von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Geschichtsblätter für Waldeck, Bd. 68 (1980), 11-200.